19.04.18 Drei schöne Städte

Durango

Die erste schöne Großstadt auf die wir nach der Durchquerung von Mexikos Norden mit seiner geringen Bevölkerungsdichte treffen ist Durango. Zwar bietet sie nur wenige Sehenswürdigkeiten, dafür aber eine lange Fußgängerzone, die zum Flanieren und zum Probieren von mexikanischen Spezialitäten einlädt. Zum Abendessen genießen wir also bei Bier und Margarita die typischen Tacos, sowie „Gorditas“, kleine runde Teigfladen, die mit Kartoffeln und Bohnen frittiert werden und dann mit ein wenig Gemüse serviert werden. Die Streedfoodszene ist in Deutschland jetzt der neueste Trend, hier in Mexiko gibt es sie aber schon lange und ist längst Teil des Stadtbilds. Auf kleinen Wägelchen werden Burritos, frittierte Meeresfrüchte, Tacos, frisch geschnittenes Obst, sowie allerlei zuckersüße Getränke zu unschlagbaren Preisen angeboten. Fotos gibt es von Durango leider keine, da wir als hellhäutiges blondes Paar so viel Aufsehen erregt haben, dass wir nicht auch noch das Klischee vom fotografierenden Touristen erfüllen wollten.

Zacatecas

Die Stadt Zacatecas ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, die historischen Gebäude im Kolonialstil, das fußläufige Zentrum mit all den kleinen Geschäften, sowie die Lage der bunten Häuschen in dem kleinen Tal sprechen sehr dafür.

Ein paar der kleinen Gassen führen steil hinauf zu einer Seilbahn, die einmal über die ganze Stadt verläuft, erbaut von den Schweizern mit dem für Skifahrer altbekannten Doppelmayr-Symbol.

Die Subventionen dank des UNESCO-Erbes sind überall zu bemerken, Straßen werden erneuert, es gibt ein riesiges informatives Touristenzentrum, sowie ausgeschilderte Attraktionen. Dennoch haben wir uns als europäische Touristen sehr einsam gefühlt, bis auf drei Amerikanern sind uns nur Mexikaner begegnet. Einen von ihnen haben wir eher durch Zufall näher kennengelernt.

Im historischen Zentrum steht ein altes, riesiges Gebäude mit einer Kuppel, ähnlich einer Kirche. Neugierig gehen wir hinein und werden von Juan Francisco begrüßt, von seinem Empfangstresen aus erklärt er uns, dass wir uns im Kongressgebäude von dem Bundesstaat Zacatecas befinden, hier treffen sich die Abgeordneten und entwickeln neue Gesetze und Reformen. Gleich im Anschluss erklärt er uns auch noch den Verlauf der politischen Geschichte in Zacatecas und Mexiko.

Im Juli wird in Mexiko ein neuer Präsident gewählt, schon seit Baja begegnet uns überall Werbung für eine Partei: Morena—La esperanza de Mexico (die Hoffnung von Mexiko). Morena hat zwei Bedeutungen, das Wort bedeutet eigentlich braune Hautfarbe, hier gliedert es sich aber auch in Mo- für Mobilisierung -re- für Regeneration und -na für Nationalität. Morena ist eine neue, linksgerichtete Partei, die vor allem für die arme Bevölkerung eintreten will. Sie tritt gegen die zwei Altparteien PRI (die seit 80 Jahren an der Macht sind und laut Juan regelmäßig die Wahlergebnisse fälschen) und PAN (die die reiche, religiöse Wählergruppe vertreten) an.

Juan erzählt uns, dass das Mindesteinkommen in Mexico 2000 Peso (~ 90€) im Monat beträgt, ein gutes Mittelklasse-Gehalt liegt bei circa 20.000 Peso, also knappen 1000 Euro. Nach einer halben Stunde politischer Erklärungen fragt er schließlich uns aus, wer wir sind und was wir vorhaben und prompt lädt er uns ein bei ihm zu Abend zu essen und die Nacht bei ihm zu verbringen.

Nach Feierabend holen wir ihn um neun Uhr Abends beim Kongressgebäude ab und er lotst uns durch die Stadt zu seinem kleinen Häuschen. Wir freuen uns sehr über das kleine Zimmer mit den zwei Matratzen und einem Bad mit Dusche.

Juan Francisco hat nochmal in einem ganz besonderen Maße die mexikanische Großzügigkeit und Gastfreundschaft bestätigt. Am Morgen musste er bereits um 6 Uhr das Haus verlassen und hat uns so vertrauensvoll und selbstverständlich noch Frühstück hingestellt und sein Heim uns überlassen.

Zacatecas hinterlässt mit seinem entspannten und persönlichen Flair den Wunsch die Stadt und vor allem Juan bald wieder zu besuchen.

Aguascalientes

Aguascalientes bedeutet übersetzt soviel wie „warmes Wasser“ , das hat vor allem mit den vielen heißen Quellen aus der Umgebung zu tun, so ist es hier teilweise nicht mehr nötig das Wasser zum Duschen zu erhitzen. Oft ist es in Mexiko so, das die Städte einen äußeren Ring haben, der oft in einem sehr schlechten Zustand ist, die Häuser sind kaputt, Fabriken pumpen Tonnenweise Feinstaub in die Luft und in jeder Ecke liegt Müll herum. Die Innenstädte, insbesondere die von Aguascalientes bieten dann einen himmelweiten Unterschied; die Kolonialbauten sind in einem sehr guten Zustand und die Kirchen oftmals perfekt restauriert. Nachts wird alles in bunten Farben aufwendig angeleuchtet und es gibt grüne Parks, die mit schattigen Plätzen zum Verweilen einladen.

Hier in Aguascalientes ist gerade Fiesta; die Feria. Dieses Volksfest geht etwa drei Wochen und mobilisiert die ganze Stadt. Die meisten Stände machen erst nach Sonnenuntergang auf, vorher ist es in der Tageshitze kaum auszuhalten. Uns hat die Feria die Sprache verschlagen, allein die schiere Größe der Veranstaltung ist kaum zu fassen. Es gibt 3 Bühnen auf denen Musiker die Menge unterhalten und dazu diverse „wandernde“ Orchester (ja, Orchester) die mit ihren Blasinstrumenten typische mexikanische Musik spielen. Viele dieser Gruppen spielen in lustigen Kombinationen, das Alter wild gemischt. Dann heißt es vor allem, so laut zu trompeten wie es geht, viele fangen direkt an zu tanzen, die Stimmung ist einmalig gut. Selbst an einem Mittwoch Abend sind die Plätze und Bars voll und es wird Bier in Massen getrunken. Die Polizei ist dezent präsent, zu keiner Zeit hatte man ein schlechtes Gefühl. Bestimmt gibt es Taschendiebe, allerdings ist es auch nicht besonders schwer sein Handy auf dem Kiez in Hamburg „loszuwerden“. Auch hier konnten wir es nur schwer verstehen, das das Deutsche Auswärtige Amt eingehend vor solchen Veranstaltungen warnt – das bringt mich dann auch zum nächsten Thema. Es gibt hier keine Touristen. Dabei dachte ich das es die mittlerweile überall gibt, aber hier sind nur vereinzelt mal ein paar Amerikaner zu sehen, Europäer haben wir bisher keine getroffen. Dabei sind die Städte schön und es gibt viele Museen die man erkunden kann, in jeder Innenstadt gibt es eine Touristeninformation die einem Karten und Tipps kostenlos gibt, man kann sagen das die Infrastruktur für Tourismus eindeutig vorhanden ist. Nur fahren kaum Deutsche oder Europäer in kleinere Städte wie Aguascalientes oder Zacatecas und das liegt vor allem an den schlecht differenzierten Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes. Natürlich gibt es in Mexiko Gegenden, die von Armut und Drogen geprägt sind (diese Gegenden sollten dann auch tunlichst gemieden werden), trotzdem suggerieren einem die Sicherheitshinweise das Mexiko praktisch nicht bereisbar ist, schon gar nicht mit einem Campingfahrzeug. Von den Sicherheitshinweisen der USA will ich jetzt gar nicht anfangen, die grenzen schon an Boykott. Es gibt sicherlich auch in Mexiko Touristenhochburgen wie beispielsweise Cabo San Lucas (Baja California Sur), die Gegenden um Cancun (Playa del Carmen etc.) und die Millionenstadt Ciudad de Mexico, diese Gegenden sind dann oft mit Hotelresorts überflutet und haben mit Mexiko als Land und Kultur wenig zu tun (Ciudad de Mexico ausgenommen).

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Das Museum Rafael Coronel ist schon wegen des alten Konventgebäudes sehr schön.

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Die Innenstadt von Zacatecas ist wunderschön.

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Diese alten Busse sorgen in jeder Mexikanischen Stadt vorallem für zwei Dinge: Für gute Mobilität auch ohne Auto und für sehr schlechte Luft. Dieser Bus auf dem Foto hat wahrscheinlich schon mehr als eine Million Kilometer auf dem Tacho, die Umwelt jedoch leidet unter dieser veralteten Technik.

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Aguascallientes ist mit seinen tollen Fusgängerzonen schön zu erkunden.

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Der Eingang zum Historischen Museum. Die Museen sind alle gut ausgebaut und der Eintritt ist günstig.

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Der wunderschöne Garten/Park mitten in der Innenstadt spendet Schatten und sorgt für eine entspannte Stimmung. Es gibt viele kleine Wege, wo man eine Bank für sich alleine finden kann.

Leider haben wir auch von der Fiesta keine Bilder 😦 Eine Vorstellung bietet vielleicht dieser Link:

https://www.google.com/search?client=firefox-b-ab&biw=1288&bih=694&tbm=isch&sa=1&ei=HtLYWqrtBJCUsgW_prioBA&q=fiesta+americana+feria+de+san+marcos+2018&oq=fiesta+americana+feria+de+san+marcos+2018&gs_l=psy-ab.3…31856.32702.0.32952.5.5.0.0.0.0.124.570.0j5.5.0….0…1c.1.64.psy-ab..0.0.0….0.jTqmuhSm-l4#imgrc=e8o41hbuKgp–M:

Zacatecas und Durango verfasst von Marie, Einar den Rest. 🙂