20.06.2018 Guatemala City und Antigua

20.06.2018 Guatemala City und Antigua

Weitere Planung unserer Reise. Durch die prekäre Lage in Nicaragua haben wir uns dazu entschlossen nicht mehr unsere Entwicklungsorganisation in Chinatlan zu besuchen. Wir haben mit den Vertretern dieser Organisation intensiv gesprochen, sowie diverse lokale Medien und Facebook Gruppen durchforstet. Tatsächlich scheint sich die Situation täglich zu verschlechtern, alle Hauptverkehrsrouten sind mehrfach durch Straßenblockaden (oft tatsächlich zugemauert, Bäume oder Fahrzeuge auf der Straße) unpassierbar. Dies geschieht zum Teil auch zum Schutz vor bewaffneten Regierungstruppen und deren Söldnern, die Aufständische zum Teil gezielt umbringen. Der angekündigte Generalstreik ist in der letzten Woche gestartet, das gefährdet auch die lokale Grundversorgung und birgt die Gefahr das möglicherweise auch die Grenzen nicht mehr verlässlich arbeiten. Unter diesen Umständen haben wir uns dazu entschlossen nicht südlicher als Guatemala zu fahren, sondern im September wieder nach Deutschland zu fliegen, um ein Studium aufzunehmen. Allerdings ist damit das Projekt Panamericana nicht begraben, sondern nur aufgeschoben…..

Guatemala City

Wir haben schon von einigen Freunden aus dieser Region gehört das Guatemala Ciudad nicht unbedingt empfehlenswert ist, einige meinten sogar wir sollten die Stadt meiden. Wir haben uns trotzdem dazu entschieden die Hauptstadt nicht auszulassen (ich wollte ja auch Fußball gucken 😀 ) und daher haben wir uns ein Airbnb Zimmer gemietet mit einem sicheren Parkplatz für den Truck. Wir werden super warm (genau, nämlich mit einer Suppe) empfangen und am nächsten Tag nimmt uns einer der Gastgeber mit in eines der „Reichenviertal“ der Stadt zum WM schauen. Und da beginnt auch schon das Dilemma der Stadt, die in Zonen eingeteilt ist. Diese Zonen muss man sich auch exakt so vorstellen, denn das Bild kann sich an den „Grenzen“ radikal ändern.

> Die Reichen schotten sich ab <

Was in Entwicklungsländern oft passiert, ist, dass sich alles auf die Hauptstadt konzentriert, hier sind alle Behörden, das ganze Land wird von hier aus regiert und koordiniert. Das bedeutet auch, dass sich die gesamte Elite des Landes in der Stadt aufhält, was automatisch zu Abschottung führt. Denn auf der anderen Seite steht die größtenteils arme Bevölkerung, die im größeren Rest der Stadt wohnt. Durch die wahnsinnig ausgeprägte Urbanisierung wächst die Stadtbevölkerung jährlich so stark, das weder Infrastruktur noch Wohnraum auch nur annähernd mitwachsen können. Das wiederum führt zu Ghettos die stetig wachsen und mehr und mehr auch die „übrigen“ Viertel erreichen und einnehmen. Mitten in der Stadt befindet sich zudem eine ungesteuerte Müllkippe auf der immer wieder primitive Hütten gebaut werden, wo Menschen in dem Müll nach Verwertbarem suchen.

In den reichen Zonen ahnt man nichts von diesen Zuständen, komplette Einkaufsstraßen werden neu gebaut, teure Hotels und Villen stehen dort, es gibt alles zu kaufen, man könnte sich auch in Los Angeles wähnen, mit Loui Vuitton und Chanel direkt nebeneinander. Man sieht viele internationale Menschen und eben die Elite Guatemalas, die hier von ganzen Armeen von meist privaten Sicherheitsleuten mit extremer Waffenpräsenz gesichert werden. Eine dieser Zonen ist die „Zona 16″, mit strahlend weißen Gebäuden und Sicherheitskräften die auf Secways durch die Fußgängerzone scrollen. Leider bleibt dieser Teil der Stadt durch seinen“geleckten“ Zustand charakterlos.

Das genaue Gegenteil stellt die „Zona 1“, das „Centro Historico“ dar, hier sieht man kaum Touristen mehr, durch die Gefahr von Überfällen habe ich nichts dabei und gucke ständig nach hinten, die Hand auf meinen paar Quetzales in der Tasche. Der Baustil ist niedrig, da es zu Kolonialzeiten wegen der hohen Erdbebengefahr verboten war mehr als 2 Stockwerke zu bauen. Vor dem Regierungspalast ist ein großer Platz mit vielen Tauben (…) ein Stück weiter gibt es einen unterirdischen Markt mit toller Kunst und aufwendigen Handarbeiten für wenig Geld. Die Stimmung ist hier im Gegensatz zur Position nicht im Keller sondern ausgesprochen freundlich, man wird längst nicht so stark bedrängt wie in Mexiko. Auf unserem Weg durch die Fußgängerzone landen wir in einem netten Café/Restaurant; Pause. Ansonsten macht die Fußgängerzone eher den Eindruck von Hamburg Harburg nach dem Bau des Phönixcenters (sorry für alle die nicht aus Hamburg kommen 😀 ) die Geschäfte sind hässlich, trotzdem sind hier viele Menschen unterwegs. Doch dann endet die Fußgängerzone abrupt und man findet sich in einer schlimmen Gegend wieder, man kassiert unangenehme Seitenblicke und wir warten nur noch auf unser Uber zurück zur Unterkunft. Was für ein Kontrast.

Wer jetzt aber denkt >Meine Fresse, warum fahren die überhaupt da rum wenn doch eh alles nur hässlich und gefährlich is???ßß?< muss jetzt weiterlesen :D. Es ist nämlich wie immer nicht Schwarz und Weiß, sondern differenzierter. Man muss nämlich sagen, das wir keine einzige schlechte Erfahrung gemacht habe, alle Menschen die wir getroffen haben waren außerordentlich freundlich, in einem Uber hatte ich die Adresse eingegeben, der Fahrer hilft mir diesen Fehler zu korrigieren, bestimmt 10 min stehen wir am Straßenrand und versuchen unsere verdammte Unterkunft zu finden, oder unsere dortigen Gastgeber, die uns zum Empfang eine heiße Suppe ins Zimmer bringen. Genau diese Freundlichkeit fehlt in den „besseren“ Vierteln, es wird auf einen freundlichen Gruß kein begeistertes „Buenas Días“ zurückgegeben, so wie sonst immer. Die Distanz zu halten ist diesen Menschen offensichtlich sehr wichtig.

Antigua oder auch „Alt Guatemala“

Nur ein paar Km aus der Guatemala Ciudad liegt Antigua, die ehemalige Hauptstadt von Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala. Die gesamte Innenstadt ist nur gepflastert und es handelt sich fast ausschließlich um Einbahnstraßen. Die Häuser sind bunt und alt, es gibt kleine Läden und von vielen Straßen einen grandiosen Ausblick auf den sehr nahen Volcan del Agua. Und hier sind sie dann auch wieder, die Touristen (okaaaaay jaahaa ich gehör auch dazu…….) dass bedeutet es ist sauberer, gepflegter und voll mit Restaurants. Tourismus birgt für bestimmte Städte eben auch eine vergleichsweise enorme finanzielle Freiheit, Antigua profitiert besonders durch die Lage, der Flughafen von Guatemala Ciudad ist nur 45 min. entfernt. Wir werden in das Büro von der staatlichen Tourismusbehörde gespült (okay, wir mussten es suchen und es war niemand anders da) und bekommen von einem Mitarbeiter die volle Dröhnung Information auf Spanisch. Ich bekomme zwar nur Bruchteile der Unterhaltung mit aber nicke dennoch eifrig wenn ich angeschaut werde, nach 20 min verlassen wir das Büro wieder mit kostenlosen Karten und einem super Überblick über das kleine Guatemala. Diesen krassen Service nehmen anscheinend nicht viele Menschen in Anspruch, können wahrscheinlich auch nicht viele denn unser sehr freundlicher Mitarbeiter machte nicht den Anschein eine andere Sprache zu sprechen. Whatever, die Mühe und die Investitionen sind da.

Und jetzt noch eine Sache die mir tatsächlich keine Ruhe lässt. In Mexiko wie auch in Guatemala trifft man nahezu jeden Tag auf Rettungssanitäter, Feuerwehrmänner und andere Personen aus dem öffentlichen Dienst. Wer jetzt denkt, na das ist doch mal ne gute Nachricht der täuscht sich gewaltig. Denn diese Menschen stehen (meistens zu zweit) neben ihrem Einsatzfahrzeug (mind. 20 Jahre alt – aber das ist nicht der Punkt) und halten einem eine Spendenbox unter die Nase. Das empfinde ich persönlich als eine totale Katastrophe, denn wer rettet der Regierung in Katastrophenfällen wie dem kürzlichen Ausbruch des Volcano Fuego den Arsch? Genau – diese sowieso unterbezahlten Leute. Dieses Phänomen, das z.B.: Feuerwehrmänner in voller Montur um Spenden bitten müssen, ist ein weiteres Indiz für die egalitären Haltung der Elite dem gemeinen Volk gegenüber – eine Sache die mich persönlich auf den oft beschriebenen Berg des Zornes treibt. Am liebsten würde ich in jede dieser Dosen 100Q reinwerfen – leider wäre meine Reise dann wohl in wenigen Tagen vorbei.

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Die Plaza vor dem Regierungspalast.

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Ein paar wenige Eindrücke aus Guatemala Ciudad. Ich habe wie gesagt auf die Kamera verzichtet.

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Hier die kleinen, aber oft vollen Straßen von Antigua. Die Stimmung ist gut und munter, Mittags füllen sich die Restaurants und Bars schnell, dann gucken Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen Fußball, auch die Guatemaleken sind an der WM durchaus interessiert, obwohl die Nationalmannschaft grottenschlecht ist. Man kann die FIFA hassen wie man will, Fußball verbindet. DSC_0238

Keine schlechte Laune bei diesem Feuerwehrmann, trotz des undankbaren Jobs.

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Die „Chicken-Busse“ (nicht weil Hühner transportiert werden, sondern weil man in diesen Bussen wie die Hühner eingepfercht sitzt) sind ein absoluter Sympathieträger, alle individuell und aufwendig lackiert und in den meisten Fällen blitzeblank.

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Hier noch mal mit der obligatorischen Dieselwolke…

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Klassische mittelamerikanische Pattsituation, es ist irgendwie verkeilt und niemand kommt mehr vorran, woran auch immer das liegt. Stören lässt sich davon niemand.

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Blick auf das Hochland, voller Vulkane.

Artikel verfasst von: Einar